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Die Unvergessenen

Ihr seid nicht mehr da, wo ihr ward


aber überall wo ich bin, seid ihr

24.8.03 01:37


Jojo

 



Jojo kam im Frühjahr 1990 als sogenannte "Wegwerfkatze" zu uns. Mein Mann werkelte hinter dem Haus am Auto rum, als er plötzlich eine Katze bemerkte, die völlig konfus die Strasse hin und her lief. Sie war derart durcheinander, dass die Vermutung nahe lag, dass sie aus einem (fahrendem) Auto dort heraus geworfen wurde.


Da wir bereits 3 Katzen und 1 Hund hatten, baten wir meine Schwiegermutter, die im gleichen Haus wohnte, die Katze aufzunehmen. Nach kurzer Zeit bemerkten wir, dass Jojo sich das Fell am Hals ausriss und die Haut blutig kratzte. Also auf zum Tierarzt, der uns eine Salbe mit gab. Leider half diese Salbe nicht, wir waren noch 2 mal bei dem Tierarzt, als dieser allen Ernstes vorschlug Jojo einzuschläfern. Ok, sie sah wirklich wie ein gerupftes Huhn aus, aber es musste doch eine erfolgreiche Behandlung geben? Also Katze eingepackt und zu einer großen Tierklinik gefahren. Die Katze wurde gründlich untersucht und uns mit den Worten "hier haben sie ihre Mama" nach einiger Zeit wieder in die Hände gedrückt. Es dauerte einen Moment, bis bei mir der Groschen fiel ;-)


Jojos Hautkrankheit stellte sich als eine seltene allergische Reaktion auf die Trächtigkeit heraus, welche nach der Geburt der Jungen verschwand. Soviel zu der Meinung des 1. Tierarztes, der meinte, es wäre für die Katze besser sie zu erlösen.


Mittlerweile war meine Schwiegermutter immer weniger begeistert die Katze zu behalten. Allein die Vorstellung, dass diese während der Geburt viell. ihre Teppiche oder Möbel beschmutzen könnte...


Also siedelte Jojo doch zu uns über und kam sogleich mit den anderen Hausgenossen gut klar. Der Tag der Geburt rückte näher, ein ruhiger, versteckter Ort für die Wurfkiste war vorbereitet – und wie so oft im Leben setzten die Wehen spätabends ein, wenn die Ärzte Feierabend haben. Wir bemerkten bald, dass es Komplikationen gab, die eingesetzte Geburt ging nicht weiter voran und die Katze hatte große Schmerzen. Wir also wieder zur Tierklinik gefahren – die Fahrt von 20 min kam mir endlos vor. Die diensthabende Tierärztin sah sich Jojo kurz an und bat uns im Wartezimmer zu warten, sie hätte noch einen anderen Patientin. Na toll, die Katze hatte große Schmerzen und schrie. Wir warteten, bis mir bei dem Geschrei der Kragen platzte und ich darauf bestand, dass Jojo SOFORT behandelt wird. Das Junge steckte fest, selbst mit der Geburtszange war es nicht heraus zu holen. Es war schrecklich und Jojo schrie und schrie. Endlich fasste die noch junge und mit der Situation leicht überfordert wirkende Ärztin einen Entschluss, Jojo sollte einen Kaiserschnitt bekommen. Es dauerte noch eine Zeit, bis der angepiepte Anästhesist eintraf und endlich wurde Jojo geholfen. Das 1. Baby wurde geholt und uns in die Hände gedrückt, wir müssen es zwischen den Fingern rubbeln wurde uns gezeigt. Zum einen sollte es warm gehalten werden und der durch die Narkose angegriffene Kreislauf stabilisiert werden. Das 2. Baby wurde uns in die Hände gedrückt, während die Ärztin wieder in  den OP hetzte. Und wir saßen mitten in der Nacht in der Empfangshalle einer Tierklinik auf dem Fußboden und rubbelten besorgt die 2 Winzlinge. Das 3. Baby (Caruso) kam auf die Welt, während der Erstgeborene es nicht geschafft hatte, er starb in unseren Händen. Die Nacht neigte sich dem Ende und wir fuhren mit einer noch bewusstlosen Mutterkatze und 2 Winzlingen nach Hause. Bereits am Morgen nuckelten die beiden Katerchen an Jojos Milchbar, trotz ihrer Kaiserschnittnarbe. Sie lag ziemlich erledigt in ihrem Korb, ihre Lieblingsspeise gekochtes Hühnchen erweckte aber bald ihre Lebensgeister.  fficeffice" />


Meist bevorzugen Katzenmütter ruhige, versteckte Orte für ihre Jungen, nicht aber so unsere Jojo. Sie suchte sich einen Platz, mitten im Geschehen. Jeder Besucher der kam wurde freudig begrüßt und stolz ihre Babys gezeigt. Nie hat sie geknurrt oder gefaucht, wenn jemand sich ihren Jungen näherte. Wollte sie sich etwas von ihren Mutterpflichten erholen, so trug sie die Jungen zu unserem Hund, ein für sie geeigneter Babysitter. Die Wochen vergingen, Franziskus und Caruso gediehen prächtig. Dann kam der Tag für Jojo sich von ihrem eigentlichen Liebling Franziskus zu trennen, er fand bei meiner Schwägerin sein zu Hause, während Caruso, damals schon das Sensibelchen bei uns blieb.  


Jojo war ein regelrechter Hans-Dampf. Immer in Bewegung, keine Zeit beim bürsten oder streicheln still zu sitzen. Mit ihren nur 3 kg und ihrer Energie wirkte sie selbst im Alter noch recht jugendlich. Sie war immer eine liebenswerte, zu Anfang aber noch recht tollpatschige Katze. Sie fiel ins Spülwasser, von der Fensterbank, vom Wannenrand und eines Tages fast vom Laufbalken der vom Schrank abging. Sie konnte sich noch halten und entwickelte später aus dieser Ungeschicklichkeit ein unglaubliches Spiel. Sie warf sich bewusst mit allen vier Pfoten an den Balken, hing kopfüber und robbte bis zum Balkenende, hangelte sich dort auf den Balken und schaute beifallhaschend in die Runde.



          


                              


                                             wo bleibt mein Applaus?



 


Gesundheitlich war Jojo all die Jahre topfit, viell. auf Grund ihres täglichen Fitnessprogramm ;-) Als sie etwa 9 oder 10 J. war, erschrak ich fürchterlich. Sie röchelte, krampfte leicht, spuckte leicht schäumlich. Ich flugs ab zum Tierarzt, sie bekam eine Spritze und ihr Zustand besserte sich. Einige Wochen am Weihnachtstag das gleiche, wieder in rasender Eile zum Arzt. Er meinte, das sehe ganz nach einer Vergiftung aus. Wie sich rausstellte hatte Jojo im Alter eine Thunfisch-Allergie bekommen. Ich überlegte – ja beim 1. Mal gab es als besonderes Leckerchen Thunfisch und als Weihnachtsessen für alle eine große Portion.  


Kurz nach diesem Schreck erkrankte Jojo, es wurde eine Herzrhythmusstörung festgestellt. Mit den täglich brav geschluckten Herztablette ging es ihr jedoch gut, sie war zwar ruhiger geworden, wirkte aber soweit ok. Bis zum 30.11.2001.


Jojo wollte trotz des ungemütlichen Wetters auf den Balkon, hockte allerdings auf dem Boden auf der Fußmatte. Mich beschlich ein ungutes Gefühl, viell. eine Vorahnung. Ich schaute nach ihr, sie sprang auf, schrie schmerzerfüllt und raste in die Küche. Ihr Schreien wurde immer lauter, sie zuckte ... ich wollt in meine Schuhe springen, mit ihr zum Arzt rasen - dann wieder ein Blick zu  ihr und ich wusste das schaffen wir nicht mehr. So hockte ich mich zu ihr, streichelte ihren  zuckenden und krampfenden Körper, ihr Schreien wurde leiser - dann war es still und sie hatte den Todeskampf geschafft. Es dauerte wohl nur wenige Minuten, doch kam mir der Kampf endlos vor. Ich fühlte mich so hilflos und war die nächsten Wochen völlig fertig. Nicht nur das ich Jojo verloren hatte, ihren Todeskampf mit ansehen musste – im gleichen Monat, am 2.11. musste ich Sarah einschläfern lassen. Zwei Katzen in so kurzer Zeit zu verlieren ist schrecklich und obwohl mittlerweile 1 J. + 9 Monate vergangen sind, ich nun auch wieder mit einem Lächeln an Jojo denken kann und nicht jedes Mal weinen muss, so trauere ich noch immer um meine süße Powerkatze. Sarahs Tod habe ich besser verarbeitet, viell. weil ich darauf vorbereitet war. Es war so fürchterlich still in der Wohnung ohne meinen Wirbelwind. Keine Jojo mehr, die mich mit ihrem oft nervendem Getrippel auf dem Laminat weckte - niemand mehr, der mir morgens ins Ohr pustete – niemand der mir beim Zähne putzen zu schaute, auf dem Wannenrand herstolzierte wenn ich badete – keine Jojo mehr die mir beim Betten machen half, beim Wäsche sortieren –  niemand der aufmerksam darauf achtete, ob ich das Rührei auch richtig zubereite - niemand der beim wischen den Schrubber attackierte – niemand der mir den ganzen Tag die Ohren voll laberte – niemand der auf meiner Tastatur trampelte, vor dem Monitor hin und her lief, aus meinen geordneten Unterlagen ein Chaos veranstaltete...

15.8.03 18:35


Sarah


 



Sarah haben wir mit ca. 12 Wochen aus einem Tierheim. Sie war sozusagen eine Überraschung für meinen Mann, der sich schon lange eine Katze wünschte, in seinem Elternhaus aber nie eine halten durfte. So telefonierte ich eines Tages herum und meldete uns im Mühlheimer Tierheim an.


Zu Hause angekommen erkundete Sarah zunächst das Kinderzimmer und spielte mit den herumliegenden Bauklötzen. Nach einiger Zeit des Spielens und Erkundens schlief sie sichtlich erschöpft im Bett meiner damals 3 jährigen Tochter ein und diese strahlte.


Sarah lebte sich völlig unproblematisch ein, hatte vor nichts Angst, spielte mit Kind und Hund, und lag abends nuckelnd und tretelnd auf unserem Schoß.


2 Jahre später zog Babykater Tim bei uns ein und Sarah zeigte sich recht zickig. Es dauerte aber nicht sehr lang und die Beiden wurden die besten Freunde. Allen weiteren Neuankömmlingen zeigte sie sich zunächst ebenfalls zickig. Ihr Selbstbewusstsein war manchmal etwas unheimlich. Bekamen wir z.B. Besuch von meiner Schwägerin mit großem Hund, so kam Sarah angeschlendert, beschnupperte den Hund und forderte ihn zum spielen auf. So tobten und jagten beide dann durch die Wohnung. Unter ihrem Selbstbewusstsein hatte oft auch unser Dackel Zorro zu leiden. Lag dieser in seinem Körbchen und Sarah fiel ein, dass SIE nun aber gern darin liegen würde, nervte sie erst Zorro mit quengeligem Herumschleichen und pföteln. Half das nicht, wurde sie rabiat und prügelte den Hund aus seinem Korb und dieser ließ sich das auch noch gefallen.  fficeffice" />


Sarahs Leidenschaft Kabel anzuknabbern wurde ihr eines Tages fast zum Verhängnis. Obwohl fast alle Kabel in Kabeltunneln versteckt waren, wir so gut wie möglich alles abgesichert hatten, knabberte Sarah als sie etwa 1 Jahr alt war das Telefonkabel, besser gesagt das Spiralkabel was vom Hörer abgeht an (damals gab es noch keine schnurlosen). Das Stück Kabel verhakte sich, Sarah erbrach sich, aber da das Kabel am Darm wie ein Anker hing, riss sie sich durch das Würgen den Darm regelrecht auf. Foge war eine aufwendige Op und 1 Woche Klinikaufenthalt. Als wir Sarah nach dieser Woche endlich abholen durften, bereitete der Tierarzt uns vorsorglich auf ihren Anblick vor, als ich sie dann aber tatsächlich sah, brach ich in Tränen aus. Zu Hause erholte Sarah sich erstaunlich schnell und es blieben keine Folgeschäden. In den folgenden Jahren erfreute sie sich dann bis auf ein paar Zahnwehwechen bester Gesundheit.  


Neben fressen war Sarahs große Leidenschaft Besuch zu empfangen. Während die anderen Katzen sich dann eher zurückhaltend verhielten, stürzte Sarah sich regelrecht auf die Leute. Dabei spielte es keine Rolle ob es Vertraute waren, der öfter vorbei kommende Handwerker oder gar völlig fremde Personen - ega - MEIN Besuch. Ihr Opfer wurde dann belagert, ihr Kopf kramte solang bis sie ihn unter den Achselhöhlen stecken konnte, auf der Rückenlehne sitzend konnte sie prima dem Besucher eine neue Frisur verpassen (ich demjenigen anschließend Kamm + Spiegel *g* . Sie räkelte sich genüsslich, liess sich durchkraulen und hat niemals einen IHRER Besucher gekratzt – ja bis auf meine Schwägerin (einfachtshalthalber J. genannt) J. bemühte sich wirklich sehr um Sarah, begrüsste sie, gab ihr stets ein Leckerchen, was Sarah natürlich gern verspeiste, um flugs darauf J. eine zu knallen, mit ausgefahrenen Krallen versteht sich. Schon eigenartig das diese ausgesprochene Besucherkatze auf J., die ihr ja nie etwas zu Leide getan hat, so reagierte.  


So pflegeleicht Sarah war, Autofahren war die Hölle. Besonders ohrenbetäubend verkündete sie ihren Unmut, sobald man schneller als 50km/h fuhr. Wer fährt aber schon als wandelndes Verkehrshindernis mit Tempo 30 zum 10 km entfernten Tierarzt? Also blieb uns nur tapfer durchzuhalten oder Ohropax zu verwenden.  


Als Sarah 13 J. war starb ihr bester Kumpel Tim und Sarah bekam nach seinem Tod einen regelrechten Altersknacks. Tim fehlte ihr sehr. Mit 15 Jahren erblindete unser Omi, fand sich aber erstaunlich gut zurecht. Sie bewegte sich so sicher durch die Wohnung, dass niemand der es nicht wusste bemerkt hätte, dass die Katze nichts mehr sieht. Sie stiess höchstens mal irgendwo an, wenn sie sich erschreckte und wegrennen wollte. Ein Jahr später bekam Sarah Wasser im Bauch, trotz Behandlungsversuche füllte sich ihr Leibesumfang beträchtlich. Aber Sarah gab nicht auf. Da sie mit dem dicken Bauch schlecht aufs Sofa oder ins Bett kam, stellten wir für sie kleine Kisten auf, mit deren Hilfe sie leicht ihr Ziel erreichte. Trotz der Krankheit nahm Sarah noch am Leben teil, kam freudig sobald sich die Kühlschranktür öffnete. Doch ihr Bauch wurde immer dicker, selbst die Vorderpfoten wurden dick. Es wurde Zeit sie zu erlösen, ich wollte nicht mehr warten bis es gar nichts Erfreuliches mehr in ihrem Leben gab. Für ihre letzte Autofahrt besorgte ich eine Beruhigungstablette, so dass ich Sarah nicht einmal im Korb transportieren musste, sonder sie auf meinen Armen zum Auto trug. Während mein Mann den Wagen lenkte, lag sie ganz friedlich in meinen Armen. Auch beim Tierarzt war die Atmosphäre ruhig und entspannt. In meinen Armen liegend bekam sie die erlösende Spritze und streichelnde Hände begleiteten ihre letzten Atemzüge.



Ich hab versucht dir den letzten Weg so leicht wie möglich zu machen, ich hoffe es ist mir gelungen, mein kleiner Blindfisch.
 

15.8.03 18:34


Tim

 




Im Juni 1987 bekam ich einen Anruf vom hiesigen Katzenschutzbund, bei dem ich damals noch tätig war. Ob ich Platz hätte einen Babykater in Pflege zu nehmen. Ich hatte und so fuhr ich los den Kater abzuholen. Er war in einem Keller hinter einer Waschmaschine eingeklemmt, seine Mutter bekam ihn wohl nicht mehr befreit und ließ das Kerlchen zurück. Als Andenken behielt er zeit seines Lebens am äußersten Schwanzende einen nicht sichtbaren aber fühlbaren Knick.  Der Kater war winzig, er  hatte die Augen nicht mal richtig auf, er war schätzungsweise 1 Woche. In der folgenden Zeit hielt dieser Winzling uns rund um die Uhr auf Trab. Alle 2 Std. brauchte er sein Fläschchen. So saß ich also des Nachts oft im Halbschlaf auf dem Sofa, Katerchen im Arm, er saugte ein paar mal kräftig, schon war das Fläschchen leer er aber noch nicht bereit die Flasche abzugeben. Also durfte er noch ein wenig nachnuckeln, dann gab es die Bäuchleinmassage, noch mal ins Kistchen setzen und dann zurück ins Körbchen gebettet, mitsamt Stoffhasen und Wärmeflasche. Dann war wieder für 2 Std. Ruhe;-)  fficeffice" />


Nach einigen Wochen, unser Katerchen war prächtig gediehen, kam der Anruf vom Katzschutzbund. Der Kater sei nun alt genug um vermittelt werden zu können, wann man jemand vorbei schicken könne. Wie bitte??? Unseren Tim vermitteln? Da hatte ich wohl verdrängt, dass er nur zur Pflege war;-) Aber das konnte man ändern, ich sagte Tim bleibt bei uns – basta *g*  


Obwohl Tim nichts von seiner Mutter lernen konnte und Sarah Anfangs eher zickig war und nicht grad eine Ziehmama spielte, entwickelte Tim sich zu einem gut sozialisiertem Kater. Von all den Katzen war er auch der "normalste" Er war furchtlos, saß sogar während es gewitterte auf dem Balkon, wobei die anderen sich beim 1. Donner sogleich unters Bett verkrochen. Des weiteren war er auch der Cleverste, er öffnete Türen, sämtliche Schubladen in der Küche und hatte eine Technik entwickelt Trockenfutterpackungen zu öffnen. Das war jedes Mal ein Schauspiel wenn er an seiner Tüte ackerte, während die anderen, vor allem "Dumpfbacke" Sarah immer wichtig tuend dabei saßen.


Unübertroffen war aber sein Hypnose-Blick. Während die anderen Katzen um einen rumwuselten weil sie irgendetwas wollten, saß Tim abseits, oftmals gar nicht im Blickwinkel und schaute stumm. Diesen Blick konnte man förmlich spüren, dieser Blick zwang einen regelrecht aufzustehen und zu schauen, was der Herr wollte.  


Tim kam mit allen im Haushalt gut aus, ob Katze, Hund oder Mensch. Besucher betrachtete er zwar interessiert aber etwas distanziert.  Zu Sarah hatte er eine besonders enge Beziehung und sie zu ihm. Noch immer hab ich das Bild vor Augen, wenn die Beiden ihr tägliches Ritual spielten. Dabei nahm Sarah Tim in den Schwitzkasten und putzte ihm den Kopf, also eine wilde Mischung aus raufen und gleichzeitigem schmusen. Tim war meistens ein absolut liebenswerter Kater, außer wenn er frühmorgens Langeweile hatte. Da seine normalen Weckversuche erfolglos blieben, entwickelte unser Einstein eine neue Technik. Er sprang auf den Tisch und stieß immer gegen die Hängelampe, die dann völlig nervende Geräusche von sich gab und mein Nervenkostüm jedes Mal strapazierte. Zum Glück fand Tim dann irgendwann kein Interesse mehr an diesem morgendlichen Weckübungen, oder ihm ging mein Geschimpfe auf den Keks *g*. 


Tim war also vom morgendlichen Weckritual abgesehen ein unkomplizierter Kater. Auch gesundheitlich, abgesehen von ein paar Zahnproblemchen. Einen Winterabend aber, er kam vom Balkon ins Wohnzimmer, lief 3 Schritte und fiel wie tot um. Ich bekam einen Riesenschreck, bemerkte dann dass Tim zum Glück nur ohnmächtig war. Ob es viell. an dem Temperaturunterschied lag? Aber das geschah doch fast täglich im Winter, da Tim stets auf den Balkon ging. Wir fanden es nie heraus. Etwa ein halbes Jahr später brach bei ihm FIP aus, die feuchte Bauchwassersucht. Sein Bauch war dick wie ein Ballon, er wurde immer stiller und interessierte sich nicht mehr wirklich für etwas. Der letzte gemeinsame Gang zum Tierarzt war unausweichlich.


Wieso er als Wohnungskater mit 11 Jahren an FIP erkrankte? Wahrscheinlich hatte er sich bereits bei seiner Mutter infiziert und die Krankheit brach erst nach all den Jahren aus. Zum Glück brach bei keiner anderen Katze FIP aus, jedoch vermisste Sarah Tim so sehr, dass sie regelrecht einen Altersknacks bekam. Sie lebte zwar noch einige Jahre, war aber nicht mehr die Sarah wie vor Tims Tod.

15.8.03 18:34


Mecky

 



Silvester 1989 zog Mecky bei uns ein, angeblich war sie da 3 J. alt, wie unser Tierarzt später vermutete aber eher ca. 3 J. älter. Sie war eine "Scheidungskatze", lebte nach der Trennung der Eheleute bei dem Mann und 2 fast erwachsenen Söhnen. Nachbarn dieser Leute informierten einen Katzenschutzbund, da die Katze die meiste Zeit alleine war, alle paar Tage nur Futter bekam und häufig kläglich miaute. Die Besitzer waren zum Glück vom Katzenschutzbund zu überzeugen, für das Tier ein neues zu Hause zu finden. So kam Mecky also am späten Silvesterabend zu uns. Die "Nochbesitzer" brachten die Katze persönlich, beteuerten wie froh sie seien dass Mecky nun ein gutes neues zu Hause bekäme und ob sie sich künftig nach ihrem Befinden erkundigen dürften. Klar durften sie, taten es aber nie.


Als Mecky bei uns ankam, der Korb geöffnet wurde, raste sie sofort unters Sofa und blieb dort die nächsten Tage. Ich hatte also eine neue Katze, aber wie sah sie aus?


Als sie sich nach einiger Zeit frei in "ihrem" Wohnzimmer bewegte, ich die Tür zu den anderen Zimmer offen ließ und sie somit die beiden anderen Katzen Sarah und Tim kennen lernte mutierte Mecky zur Schlägerelli. Sobald Sarah oder Tim das Zimmer betreten wollten, preschte Mecky hervor und zeigte denen was Katzen-Kung-Fu ist.


Das änderte sich aber bald. Kaum haute einer der Alteingesessen zurück, verwandelte Mecky sich in ein Mamakind und versteckte sich bei mir. Die folgenden Jahre blieb sie immer die ängstliche, die beschützt werden musste. Sie hatte mich perfekt erzogen. Jammerte sie, weil jemand hinter ihr her war, kam ich an und beschütze sie, abends wurde die Wohnzimmertür immer für 2 oder 3 Std. geschlossen und Mecky hatte mich für sich alleine. Heute weiß ich dass das ein Fehler war, ich sie somit in ihrer Angst bestärkt habe. Mit dem Hund Zorro verstand sie sich hingegen gut, die beiden haben viel zusammen Po an Po gekuschelt auf dem Sofa gelegen.


Zu mir hatte Mecky eigentlich recht schnell Vertrauen, mir fiel aber auf, dass sie extreme Angst vor Füssen hatte. Das ließ nichts Gutes erahnen. Auch zeigte sich, dass sie abends immer Sorge hatte ob es auch Futter gibt. Spielen war für sie ein Fremdwort, anfangs auf Möbelstücke liegen ebenfalls, sowie auf der Fensterbank sitzen und hinaus schauen. All das schien sie nicht zu kennen oder gedurft zu haben, die arme Maus.


Es dauerte einige Jahre, bis Mecky abgesehen von ihrer Angst vor den anderen Katzen sich zu einer halbwegs "normalen" Katze entwickelte. Sie vertraute darauf dass es täglich Futter gab, allerdings nur von mir serviert. Gab mein Mann ihr mal Futter, so schaute sie ihn an, als wäre es vergiftet und weigerte sich zu fressen. Auch ihre Angst vor Füssen verlor sich nach Jahren, sie wuselte mir zwischen die Beine, so dass ich oftmals bald gefallen wäre, saß liebend gern auf der Fensterbank und einmal täglich bekam sie sogar einen Spielanfall, wobei sich dieser stets mit einem absolut herrlich albern aussehend Kopf wackeln ankündigte. Mecky hing stets an mir wie eine Klette, war absolut schmusig und immer dankbar für Aufmerksamkeiten. Als ich einmal für 5 Tage ins Krankenhaus musste, war sie nach meiner Rückkehr völlig verstört. Obwohl sie ja von meinem Mann und meiner Tochter gut versorgt wurde, hatte sie wohl Angst wieder verlassen zu werden?!


Eines Tages erkrankte sie dann, hatte ständig Zahnprobleme, bekam allerlei Medikamente, eine große Zahn-Op, wonach sie anschließend mehr tot als lebendig aussah. Nie werde ich diesen Anblick vergessen, wie sie viele Std. nach der OP wie halbtot, aus dem Mäulchen blutend in meinen Armen lag. Bei der OP muss wohl ein Metzger am Werk gewesen sein, denn auch anderen Katzen von mir wurden auf einen Schlag mehrere Zähne gezogen und keine war danach auch nur annähernd in so einem schlechten Zustand. Trotz dieser OP besserte sich Meckys Allgemeinzustand nicht so wirklich, nach all den Wochen zweifelte ich an den Ärzten dieser großen Tierklinik und wechselte zu einer andern Tierärztin. Es stellte sich heraus, dass Mecky Leber- und Nieren krank war, wie die Tierärztin meinte evtl. durch die ganzen Medikamente verursacht. Fortan bekam sie nur spezielles Diätfutter und die Blutwerte besserten sich zum Glück. Leider blieb dies nicht, nach einigen Monaten ging es ihr wieder schlecht, sie bekam zu Hause noch täglich Infusionen, doch ich spürte, es war Zeit sie gehen zu lassen, sie zu erlösen. So schlief sie, nachdem wir 6 oder 7 J. zusammen verbracht haben in meinen Armen für immer ein.

15.8.03 18:29


Zorro

 




Zu Zorro kam ich unfreiwillig als er etwa 2 Jahre alt war. Als ich die Beziehung mit meinem damaligen Freund beendete, kam 2 Tage später ein Anruf des Ex. Der Hund würde nur jaulen und gehe ihm damit tierisch auf den Keks. Entweder ich hole ihn sofort ab oder er kommt ins Tierheim.


So schnell kann frau also auf den Hund kommen ;-)


Zorro war ein eigenwilliger Dackel, liebenswert zu den von ihm Auserkorenen, Fremden gegenüber meist mürrisch.


Zorro hatte 3 große Leidenschaften. Man konnte an keiner Kneipe vorbeigehen, ohne dass er hineinlief, was bei manchen Passanten viel Gelächter auslöste. In seiner/unserer Stammkneipe bekam er stets ein Schälchen Bier. Nein er war kein Alkoholiker, er fand Kneipen schon vorher anziehend.


Die nächste Leidenschaft war Autofahren. Warum mit den kurzen Beinen laufen, wenn's doch bequemer geht. Somit war spazieren gehen oft risikoreich, da Zorro fast ausschließlich ohne Leine lief und schon das ein oder andere Mal zunächst unbemerkt in ein offen stehendes Auto verschwand. Während er auf den Chauffeur wartete, suchte ich aufgeregt meinen Hund. Aber frau lernte auch in diesem Falle dazu und suchte künftig sogleich parkende Autos ab. Trotz dieser Bequemlichkeit hatte er aber Zeit seines Lebens eine Topfigur.   fficeffice" />


Nun zu seiner wohl allergrößten Leidenschaft: BABYS


Ob Menschenbaby, Katzenbaby, Hundebaby - selbst wenn diese doppelt so groß waren wie er – egal, Hauptsache Baby.


So wachte er mutig über meine Tochter, als die noch im Kinderwagen lag, Zorro lag selbstverständlich in dem Einkaufskorb im Kinderwagen, denn gefahren werden ist ja wie bereits erwähnt bequemer. Wehe der Omi aber, die neugierig in den Kinderwagen schauen wollte, während ich kurz in den Tante Emma Markt gesprungen war. Da hechtete Zorro aus dem Korb hervor, bellte erzürnt die ahnungslose, in den Kinderwagen süssholzraspelnde Omi an, so dass diese nahe einer Herzattacke war. 


Nachdem meine Tochter aus dem Babyalter raus war, bekam Zorro Jahre später wieder eine neue Aufgabe: ein Bobtailwelpe. Das Riesenbaby Sancho wurde natürlich gleich unter Zorros Fittiche genommen. Der kluge Hund baut nämlich vor, um später eine große Klappe haben zu können *g* Als Sancho nach nicht allzu langer Zeit 3mal so groß wie sein Ziehpapa war, stürmte Zorro draußen wild entschlossen auf andere Hunde zu, laut bellend, sich dann aber schnell nach Sancho umsehend, welcher auch gleich gemütlich angetrabt kam. 


Ein paar Jahre später fanden wir eine ausgesetzte, wie sich später herausstellte trächtige Katze. Und obwohl diese Katze Zorro noch nicht lang kannte als ihre 2 Babys geboren wurden, schleppte sie ihre Babys zu ihm, wenn sie mal eine Auszeit von den anstrengenden Mutterpflichten wollte. Und Zorro strahlte förmlich von einem Schlappohr zum anderen, nun hatte er gleich 2 Babys.


Im Alter von 13 J. bekam Zorro einen Herzinfarkt. Er war mit meinem Mann ins Büro, als dieser mich anrief und bat den Hund abzuholen, er hätte schlimmen Durchfall. Zu Hause angekommem düste Zorro zwar gleich auf die Wiese um sich zu entleeren, aber ansonsten ging es ihm gut. Stunden später fing Zorro an zu schreien, wir packten ihn sogleich ins Auto und düsten zum Tierarzt, bgleitet von Zorros ununterbrochenem Schreien. Es dauerte leider viel zu lange bis er endlich die erlösende Spritze bekam.

15.8.03 00:53


Sancho

 




Sancho holten wir aus einem Tierheim, da war er etwa 3 Monate alt. Er war ein Schmusebär schlechthin. Das musste auch Tim im Babyalter erkennen. Sancho leckte einmal über den kleinen Kater und der war somit gleich gebadet. Sancho war aber auch sehr gutmütig. So fiel uns z.B. eines Tages auf, wie er mit einem leicht verzweifelten Gesichtsausdruck vor seinem riesigen Napf saß, welcher kurz davor gefüllt wurde. Beim Näherkommen sah ich dann den Grund für seine Verzweiflung – Babykater Tim saß inmitten seinem Napf und schlabberte vergnügt Sanchos Futter.


Zu Futter fällt mir noch etwas ein: Sancho konnte man eine Erdnuss geben, ohne feuchte Finger zu bekommen. Schon erstaunlich für so einen großen Teddy.


Da Sancho Besucher immer freudigst begrüßte, ob er sie nun kannte oder nicht, befürchteten wir immer, wenn mal ein Einbrecher kommen sollte, würde Sancho diesen nicht etwa beißen – nein er würde ihn tot knutschen. Meinen Mann überzeugte Sancho eines Abends vom Gegenteil. Während ich mit dem Hund schon vor zum Wagen ging, kam meinem Mann die Idee, sich mal an uns anzuschleichen. Tja, Versuch gescheitert, er wollte grad ums Haus, da hörte er schon ein gaaaaanz tiefes, drohendes Knurren und mein Mann bekam es nun doch mit der Angst zu tun, dass Sancho ihn nicht schnell genug erkennt *g* Ich muss nicht extra erwähnen, dass das Erkennen beiderseits überschwänglich war und Sancho gleich wieder eins zum Besten gab: knutschen.


Sancho war ein ausgezeichneter Hütehund und entwickelte seine eigene Methode, um meine Tochter, die damals noch im Kleinkindalter war, zu hüten. Er hielt den Dreikäsehoch einfach am Hosenbund fest, während sie strampelte und quietschte.


Im Winter hatten die Beiden auch ihren Spaß. Sancho zog meine Tochter auf dem Schlitten nicht nur quer durch den Park, sondern auch bergauf, teils mit so viel Schwung, dass es in Kurvenlage durchaus schon mal zu einer kleinen Bruchlandung kam.  fficeffice" />


Viel weitere Erlebnisse hatten wir leider nicht. Sancho erkrankte schwer an HD und musste eingeschläfert werden, da war er grad mal 1 Jahr  

15.8.03 00:53


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